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"Los, du musst zur Schule!"

…vermutlich fiel der Satz heute früh bereits einige male an unterschiedlichen Orten in Chemnitz und Deutschland. Doch was wäre wenn die Kinder einfach gern zur Schule gehen und nicht getrieben werden "müssen".

Ich frage mich schon länger, zu welchen Freizeitaktivitäten ich mein Kind "zwingen" musste. Die Antwort ist einfach: keine. Schon seltsam.

Das Problem ist klar, wenn es nur mit Zwang zu erreichen ist, dass ein Mensch etwas tut, stimmt etwas nicht. Schule sollte schön sein und eine Zeit die die Kinder gern dort verbringen. Doch Druck und Demütigung, Demotivation und das fortwährende betonen, was ein Kind nicht gut beherrscht machen mürbe. Kaum ein Kind freut sich vor der ersten Klasse nicht auf die Schule, doch die Freude lässt von Jahr zu Jahr nach.

Wen wundert es? Sich hinein zu versetzen ist dabei doch einfach. Man stelle sich vor, man ist kein guter Zeichner, aber jeden Tag muss man etwas Zeichnen und bekommt gesagt, dass man das nicht kann und sich mehr anstrengen müsse.

Viel was in der Schule als "normal" gilt, Stress und Krankheit verursacht und Kinder und deren Eltern nicht zu kritisieren haben, wird im Arbeitsalltag und in der Gesellschaft sonstwo nicht toleriert. Man stelle sich vor, durch unsachgemäße Planung entsteht jedes Jahr zwei mal eine Situation, in der die ganze Firma Überstunden machen muss und nur noch auf dem Zahnfleisch kriecht. Jedes jahr, seit dem es die Firma gibt. Und das obwohl es bei guter Planung komplett vermeidbar wäre. Es gibt Beschwerden, und das zu Recht. Doch genau vor einem Solchen Szenario sehen sich Schüler regelmäßig, dass nennt man dann "Klausurphase" oder "Kurz vor Notenschluss".

Das ganze Konzept Schule stammt noch aus einer Zeit, in der Heranwachsende so schnell wie möglich die Grundfertigkeiten erlernen solten und lernen sollten zu gehorchen um arbeitsfähig zu werden. Entwicklung und Entfaltung stand zu dieser Zeit nirgends auf der Tagesordnung. Förderung von Stärken auch nicht.

Nun haben wir das Zeitalter der Industrialisierung überwunden. Der Wechsel zur Informationsgesellschaft, neuen Lebenskonzepten wie sie ein so reiches Land möglich machen und die Entwicklung zu mehr "Knowledge Workers"1 verlangen auch nach einem Strukturellen Wandel.

Der "Jeder muss"-Zwang ist veraltet und kann nun einer noch freieren Entfaltung weichen. Die Chancen die sich daraus ergeben, eine gesündere Gesellschaft zu formen, werden zu oft vernachlässigt. Menschen die schon im Zwang und Leistungsdruck2 aufwachsen, werden später eher krank.

Und wenn wir aus dem krank-machenden System ausbrechen wollen, ist der Startpunkt klar. Früherziehung und Schule. Denn schon seit "der Untertan"3 wissen wir, dass Menschen den erlernten Stress und Druck weiter geben an andere. Selbst den Wunsch entwickeln Stress und Druck auszuüben, wenn sie dem früher ausgesetzt waren. Ganz deutlich wurde das mir auch noch am Beispiel Lehre. Oft werden Auszubildende zu unnötigen Arbeiten gezwungen und gedemütigt. Die Begründung ist dann schnell gegeben:

Das war früher bei uns auch so! Jetzt sind eben unserer Lehrlinge dran!

Auch hier wieder: Sozialisation spielt eine erhebliche Rolle für die meißten Menschen. Es ist schon schwer, allein neue Wege zu finden, aber unter dem Druck der Kollegen diese zu gehen ist noch schwerer. Den erlernt ist erlernt.

Daher: Druck, Zwang, Erniedrigung. Der Kreislauf beginnt in KiTa und Schule. Der Weg zu einer gesunden, innovativen und kreativen Gesellschaft führt jedoch über einen Pfad ohne diese alten "Tugenden". Denn was die Schule im moment nicht lehrt sind die Werte, die für ein gesundes Zusammenleben tragende Säulen sind.

1) Wall Street Journal:

2) vgl.

https://www.youtube.com/watch?v=vTqBVURYhEM

3) Der Untertan; Wikipedia